27. Juni 2007

Nitzsche verkennt die Fakten

Die Junge Linke Kamenz äußert sich zu einem Interview mit MdB Henry Nitzsche in der SZ vom 26.06.2007:

Der dieses Frühjahr erschienene UN-Klimabericht sollte Beweis genug sein, dass etwas unternommen werden muss. Deutschland und alle anderen Industrienationen müssen ihren Ausstoß von Kohlendioxid in den kommenden Jahrzehnten dramatisch senken. Eine „Verteufelung“ der Braunkohle, wie sie Nitzsche anprangert, ist nötiger denn je. Fakt ist: Sechs von zehn der schmutzigsten Kohlekraftwerke in Europa stehen in Deutschland. Mit dem Standort Boxberg haben wir sogar eine dieser Dreckschleudern ganz in unserer Nähe. Die Bundesregierung plant 27 neue Kohlekraftwerke in den nächsten Jahren. Allein der Neubau des Vattenfall-Konzerns in Boxberg werde dabei so viel Kohlendioxid jährlich produzieren, wie 1,5 Millionen Autos zusammen, so die Umweltorganisation Greenpeace. Auch die „neue“ Technik, CO2 in der Erde zu speichern, ist abzulehnen, denn ob das gespeicherte Gas auch tatsächlich in der Erde verbleibt und welche Wirkung es dort entfalten kann, ist nicht erforscht. Fatal wäre auch die Rückkehr zur Atomenergie. Das Jahr 1986 sollte uns Beweis genug sein, was im Ernstfall passieren kann, wenn der Mensch dem Irrglauben erliegt, alles kontrollieren zu können. Im übrigen ist die Lagerung von Atommüll höchst problematisch. Erst jüngst gab es in einem schwedischen Endlager einen Zwischenfall, nachdem die zulässigen Strahlenwerte deutlich überschritten worden sind. Eine Lagerung über Jahrhunderte ist ein schwer kalkulierbares Risiko. Der Grund für so viel Kurzsichtigkeit ist einfach. Ein Henry Nitzsche wird von den Folgen der Klimakatastrophe zu Lebzeiten nicht mehr viel mitbekommen. Dafür aber unsere Kinder und Enkelkinder.


23. Juni 2007

Kurz kommentiert

Merkel feiert sich selbst. Als EU-Ratspräsidentin hat sie ja auch so viel zustande bekommen. Ihr neuster Geniestreich: Eine Einigung aller EU-Länder inklusive den aufmüpfigen Polen-Zwillinge. Oder auch kurzgesagt: Man hat sich darauf geeinigt, dass man sich bis zum Jahr 2009 nicht einigen wird. So kann man eine Niederlage natürlich auch positiv fürs Volk verpacken. Diese EU-Verfassung ist schon jetzt nicht das Papier wert auf dem sie eines Tages stehen soll, da sie nicht durch ihre Bürger legitimiert werden wird. Friede, Freiheit und Solidarität sehen anders aus.

22. Juni 2007

Blick in die Zukunft

Vorwort: Die Gesellschaft befindet sich in einem ständigen Wandel. Veränderte Bedingungen verlangen von uns ein verändertes, verantwortungsvolleres Handeln. Der immer schneller werdende Turbokapitalismus, der zunehmende Abbau des Vorsorge- und Sozialstaates, die Zunahme rechtsradikaler und ideologisch verirrter Ansichten, welche zu einem Zulauf bei der NPD führte, die Ausbeutung unseres Planeten und nicht zuletzt die fehlgeleitete Politik der großen Volksparteien sorgen für immer mehr Unsicherheit und eine verstärkte Schieflage innerhalb unserer Gesellschaft. Die Junge Linke Kamenz möchte auf ihrer Art und Weise diesen Entwicklungen entgegentreten. Wir verstehen uns als Teil des bundesweiten Jugendverbandes Linksjugend.solid, welcher der Partei „Die Linke“ nahesteht. Wir wollen sozialistisch, antifaschistisch, basisdemokratisch und feministisch sein. Dennoch bleiben wir unabhängig und wollen mit bunten, kreativen und zugleich provozierenden Aktionen auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam machen.

Natürlich verbinden wir viele unserer Ziele direkt mit unserer Lessingstadt Kamenz. Deshalb haben wir für uns folgende Ziele in Angriff genommen:

  1. Kamenz erhält seit einigen Monaten verstärkten Zulauf von Rechts. Dem gilt es als Junge Linke Kamenz gemeinsam mit allen demokratischen Kräften entgegenzuwirken. Konkrete Maßnahmen unserer seits sind u.a.:
    1. Alle Schulen der Lessingstadt Kamenz sollen Teil der bundesweiten „Aktion Courage“ werden und damit ein Zeichen gegen Rassismus setzen.
    2. Eine verstärkte Aufklärung der Kamenzer BürgerInnen über die Aktivitäten der NPD und deren nahestehenden Jugendverband der JN im Kreis Kamenz. Mittel hierfür soll unter anderem ein Flyer werden.
    3. Das im Jahr 2006 erstmalig durchgeführte Volleyballturnier „Sport gegen Rassismus“ soll auch 2007 im alten Stadtbad durchgeführt werden.
    4. Eine Demonstration gegen Rechts in Kamenz soll das Saubermann-Image der hiesigen NPD/JN Strukturen widerlegen und diese entzaubern.
    5. Ein Konzert gegen Rechts ist wichtiger Bestandteil der kulturellen Auseinandersetzung mit den Alt- und Neonazis.
  1. Als Jugendorganisation treten wir für eine bessere Förderung der Jugend ein.
    1. Die hiesigen Busverbindungen weisen bis heute erhebliche Mängel auf. Einige Schüler mussten beispielsweise regelmäßig ein Taxi nutzen, um die Heimfahrt antreten zu können. Diesen Missstand gilt es, zu korrigieren.
    2. Die gewalttätigen Übergriffe zwischen Jugendlichen in der Stadt haben bereits Mitte 2007 den Stand vom gesamten Jahr 2006 übertroffen. Wir fordern daher die Wiedereinführung eines Streetworkers.
    3. Stärkere Förderung von Jugendarbeit, schwerpunktmäßig in Jugendklubs. Jedoch dürfen dabei nicht die jüngsten KamenzerInnen missachtet werden. Freizeitgestaltung darf nicht am Geldbeutel der Eltern scheitern!

Diese beiden Punkte bilden in den kommenden Monaten die schwerpunktmäßige Arbeit der Jungen Linken Kamenz vor Ort. Natürlich werden wir uns auch an überregionalen Projekten von Linksjugend.solid und der Partei „Die Linke“ beteiligen.

(Alle weiblichen Formen enthalten sowohl die männliche als auch die sächliche Form.)

Petition unterstützen

Anbei ein Link um Online eine Petition zu unterstützen, welche die Offenlegung der wahren Arbeitslosenzahlen durch die Bundesagentur für Arbeit fordert.

Hier klicken!

Für mehr Umweltschutz!

20. Juni 2007

Stoppt diesen Mann!

Das sich der mittlerweile parteilose MdB Henry Nitzsche nur gerne mit ausländerfeindlichen und NPD nahen Äußerungen schmückt ist bekannt. Nun legt der 48-jährige Oßlinger nach. Nach einer jüngst in Kamenz geschehenen Schlägerei ist Nitzsche nun über die Sicherheitslage in der Lessingstadt und nach eigener Aussage auch viele Mitbürger, sehr besorgt. Deshalb stellte er Innenminister Albrecht Buttolo in einem Brief Fragen zur Lage in Kamenz. Bis hierhin möge man als Normalbürger noch mitgehen können ohne böses ahnen zu müssen. Das Nitzsche sich aber wieder als Fischer am rechten Ufer herausstellt, beweisen folgende Fragenstellungen:

„Ist ein Migrationshintergrund gegeben? Wenn ja, welchen Status haben die Täter und deren Eltern?“ Nitzsche fragt weiterhin, ob sich ein solcher möglicher Migrationshintergrund auch auf die Verurteilung der Täter auswirken könnte. „Ist insbesondere eine Ausweisung möglich und zu erwarten?“ (Auszug aus SZ vom 17.06.2007)

Nitzsche ist als MdB nach solchen Äußerungen NICHT mehr tragbar! Ausländische Mitbürger werden durch das Ex-CDU Mitglied dämonisiert und pauschal als üble Schläger abgestempelt. Die Junge Linke fordert deshalb den sofortigen Rücktritt. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Nitzsche als Trittbrettfahrer gegen ausländische Mitbürger profiliert. Solche Verhaltensweisen darf ein Mandatsträger nicht an den Tag legen. Wer solche rassistische Hetze betreibt und sich nicht deutlich von NPD-Parolen abgrenzt (Wir erinnern uns nur an "Arbeit,Familie,Vaterland")
begibt sich aufs Glatteis. Wünschen wir uns also, dass jedem Wähler, der Nitzsche bei kommenden Wahlen seine Stimme geben will, die Hand abfault.

Nachtrag: (21.Juni.2007) Wie heute aus der Presse zu erfahren war, handelte es sich bei den Schlägern nicht um Personen mit Migrationhintergrund. Umso mehr sind die Äußerungen von Nitzsche zu verurteilen, denn er unterstellt ausländischen Mitbürgern ein erhöhtes Gewaltpotenzial.

19. Juni 2007

Worte der Woche

Pofalla? Wer ist eigentlich Pofalla?...
Der CDU-Generalsekretär Ronald P. hat sich mal wieder im Wort vergriffen. Hier seine jüngsten Ausuferungen.
Er hatte gesagt: "Ich halte die Linkspartei für eine linksradikale Partei, die am Wochenende deutlich gemacht hat, dass sie das System überwinden will." Auch die rechtsextreme NPD halte das jetzige System, das Rechtsstaatlichkeit und Demokratie garantiere, nicht für ausreichend. "Deswegen halte ich beide Parteien für radikal."
Wenn im Kopf nichts mehr zu holen ist, dann redet man eben irgendetwas um die mediengeile Masse zu versorgen. Lieber Herr P., wer sich auf so ein niederes Niveau begibt, hat definitiv eine schwächelnde Argumentationslinie vorzuweisen. Der Vergleich Linke und NPD ist in ihrer Partei scheinbar sehr beliebt. Doch die Linke will weder die Demokratie noch den Rechtsstaat abschaffen. Im Gegenteil: Einige Kollegen aus ihrer Partei werkeln ja schon seit langem an Dingen wie der Abschaffung der Versammlungs- oder Meinungsfreiheit herum.

18. Juni 2007

17. Juni 2007

Frankreich ist linker als erwartet

Folgende Meldung können und wollen wir euch nicht vorenthalten:
"In Frankreich hat das Regierungsbündnis von Präsident Nicolas Sarkozy bei der zweiten und entscheidenden Runde der Parlamentswahl ihre Mehrheit verteidigt, musste aber vollkommen überraschend Verluste hinnehmen. Nach ersten Hochrechnungen errang die UMP von Sarkozy 319 bis 329 der 577 Abgeordnetenmandate. Bislang hatte ihre Fraktion 359 Mitglieder gehabt. Die Sozialisten von Ségolène Royal konnten entgegen alle Umfragen zulegen und kamen auf 202 bis 210 Sitze. Sie hatten bislang 149 Abgeordnete gestellt. Kommunisten und die als UMP-Verbündete antretende Liberalen-Partei Neues Zentrum erzielten zweistellige Mandatszahlen, verfehlten aber beide die für eine Fraktion nötige Zahl von 20 Sitzen." (Quelle Tagesschau)
Die Junge Linke Kamenz freut sich mit den GenossInnen Frankreichs über ein ,trotz aller Unkenrufe, gutes Wahlergebnis. Der rechte Erfolgstsunami der UMP blieb damit aus und verkam zu einer Miniwelle.

Wir begrüßen DIE LINKE

Seit Sonnabend 0.00 Uhr ist der Zusammenschluss von WASG und Linkspartei endgültig besiegelt. DIE LINKE startet mit über 70.000 Mitgliedern als eine gesamtdeutsche Partei, welche sich den Sorgen und Nöten von Leuten aus Ost und West annimmt. Erst durch DIE LINKE wurden Themen wie Mindestlöhne wieder salonfähig in Berlin. Die Junge Linke Kamenz gratuliert der neuen-alten Parteivize Katja Kipping sowie Katina Schubert, Ulrike Zerhau Klaus Ernst zu deren Wahl. Den beiden Parteivorsitzenden Lothar Bisky und Oskar Lafontaine wünschen wir viel ebenfalls viel Erfolg!

14. Juni 2007

Petition unterstützen


Anbei ein Link um Online eine Petition zu unterstützen, welche die Offenlegung der wahren Arbeitslosenzahlen durch die Bundesagentur für Arbeit fordert.

8. Juni 2007

G8 geht zu Ende

Das G8-Treffen in Heiligendamm neigt sich dem Ende entgegen. Am letzten Tag wurden noch einmal vollmundige Versprechungen gemacht. Weitere Milliarden sollen an Entwicklungshilfe fließen. Wenn dass genauso gut läuft, wie die die versprochenen Hilfen von Gleneagles, dann darf sich der Kontinent Afrika über ganz ganz viele Liebe aus den Industriestaaten freuen ;) Die BILD feiert Bundeskanzlerin Angela Merkel als Königin, wir sagen sie ist eine gute Schauspielerin. Die G8 haben genau das gehalten, was wir erwarten durften. Etwas Klimaschutz hier, etwas Geld für Entwicklungshilfe da, aber alles schön schwammig verpackt. STELLT den Scheck über 60 Milliarden doch lieber gleich auf den Gipfel aus! Ansonsten neigt ihr doch wieder nur zur Altersbedingten Vergesslichkeit. Bush hat's übrigens am besten gemacht. Er denkt jetzt darüber nach etwas fürs Klima zu tun. Verbindliche Vorschläge gibt's dann 2009. Dann wird George W. Bush aber nicht mehr in Amt und Würden sein. So fällt es natürlich umso leichter eine schwammige Zusage zu verabreden...


Mit freundlicher Unterstüttzung von: www.guck-werkstatt.de

7. Juni 2007

Chance für das Klima?

Bundeskanzlerin Angela Merkel feiert sich selbst. Bis 2050 wollen die sieben führenden Industrienationen und Russland eine Halbierung der Emission von Treibhausgasen in Betracht ziehen. Okay, klingt ja alles ganz nett. Aber denken wir alle einmal an den Gipfel in Schottland 2004 zurück. Da wurden 40 Milliarden Dollar an zusätzlicher Entwicklungshilfe für Afrika versprochen. Geflossen ist bis heute nichts von dem Geld. Was taugt dieses neue Versprechen also? Wahrscheinlich nichts, denn die Verabredungen sind weder bindend, noch werden feste Werte und Ziele im Abschlussdokument des Treffens der G8 zu finden sein. Es bleibt einzig eine politische Absichtserklärung. Merkel kann sich jetzt im Glanz des Erfolgs sonnen, George W. Bush kann sich davonstehlen. Viel Wind um keine echte Klimaverbesserung.

Gipfel-Medien



junior 8

Die Idee klingt so niedlich, dass selbst der kleine Eisbär Knut im Berliner Zoo zum langweiligen Stofftier mutiert. Die Junior 8 sollen den Großen 8 ihre Vorschläge und Sichtweisen auf die Probleme der Welt näher bringen. Da sitzen 13 bis 16-jährige Jugendliche beisammen und arbeiten druchaus hart, aber das Ergebis steht im Vorfeld fest. Bush, Blair, Merkel und Co. hören sich als alles brav an, geben verwaschene Antworten und übertrumpfen sich mit Scheinheiligkeiten und Versprechungen. Ja so erhält man den Schein sich wirklich für die Problem zu interessieren. Die Junior 8 werden sich natürlich nicht trauen harte Worte zu gebrauchen- können sie auch nicht, denn einen Greenpeace-Aktivisten oder ein Attac-Mitglied werden wir dort vergeblich suchen. Die Teilnehmer sind im Vorfeld klug ausgewählt worden, damit ja nichts anbrennen kann. Butterweich werden die Staats- und Regierungschefs jede Kritik umschiffen. Blablabla... ein netter Versuch so zu tun,als wenn man für Kritik offen wäre. Schade auch für die Junior 8 - ihr werdet für diese PR-Maschinerie gnadenlos verheizt.

Junge Welt berichtet kritisch

Da wir uns nicht auf den allgemeinen Mainstream verlassen wollen, gibt es hier den Link auf einen sehr schönen Bericht der Zeitung Junge Welt.

Greepeace Durchbruch?

Aktuelle Meldung: Die Gipfelgegner lassen nicht locker. Nun versuchten es also 11 Schlauboote der Umweltgruppe Greenpeace über den Seeweg nach Heiligendamm zu kommen um den Mächtigen 8 eine Petition zum Thema Umweltschutz zu übergeben. Die Polizei hat mit ihren größeren Schnellbooten jedoch die unterlegenen Greenpeace-Aktivisten versenkt und mittlerweile eingesammelt. Wir meinen: Ein genialer Versuch den Gipfel zu beeinflussen!

Polizei in Zivil

Dass die Berichterstattung der meisten TV-Stationen (Hier wären besonders die privaten Sender genannt) beim Thema G8 nicht unbedingt im Vordergrund steht ist soweit bekannt. Rühmliche Ausnahme bildet zu großen Teilen der öffentlich-rechtliche Mini-Kanal Phoenix. Die Spatzen haben es schon oft von den Dächern gepfiffen, Phoenix hat es erstmalig publik gemacht. Polizisten in Zivil stacheln die Demonstranten zu Gewalttaten an. Der linken Szene ist dies von anderen Demonstrationen (u.a. 1.Mai) schon längst bekannt. Leider sendete man den betreffenden Beitrag am Mittwochabend erst zu fortgeschrittener Stunde. Ein wirklich breites Publikum wird somit also nichts von den Versuchen der Polizei und somit des Staates mitbekommen haben, die Demonstranten in das für die Bundesregierung (Speziell Innenminister Schäuble) rechte Licht zu rücken. Solche Versuche sind sofort zu stoppen und die verantwortlichen Personen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.

6. Juni 2007

Protest gegen G8 Politik



Mit freundlicher Unterstützung von www.guck-werkstatt.de

SZ Interview mit Mitglied der Jungen Linken

Folgendes Interview erschien am 7.Juni.2007 in der Lokalausgabe Kamenz der Sächsischen Zeitung

„Bin für friedlichen Protest“

Mit Robert Meyer (18) war auch ein Kamenzer unter den Demonstranten zum G8-Gipfel in Rostock. Der SZ schildert er, wie er die Situation erlebt hat.

Robert Meyer aus Deutschbaselitz ist Abiturient des Lessing-Gymnasiums in Kamenz und Redakteur der SZ-Jugendseite. Seit zwei Jahren engagiert er sich bei den Jungen Linken. Der 18-Jährige war am vergangenen Wochenende bei der Großdemonstration gegen den G8-Gipfel in Rostock dabei. Die SZ hat den jungen Mann, der inzwischen wieder zurück in Kamenz ist, zu seinen Motiven und Eindrücken befragt.

Robert, wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich derartig ins Getümmel zu stürzen?
Ich habe mich relativ spontan entschlossen loszufahren, bin aber seit Wochen und Monaten mit dem G8-Thema und Heiligendamm befasst. Für mich war der Protest der Höhepunkt des Jahres.

Wegen der vielen Verletzten doch nun aber nicht, oder?
Im Gegenteil. Für mich war mit vielen Tausenden der Protest wichtig. Wir sind keine Globalisierungsgegner, sondern Kritiker der Entwicklung. Ich lehne nicht ab, dass sich die Herrschenden treffen und über die Weltentwicklung beraten. Ich möchte aber meine Meinung zum Ausdruck bringen dürfen.

Was sind denn Ihre Hauptboschaften?
Es geht uns um die Zusagen, die Afrika seit Jahren gemacht, aber nicht eingehalten werden. Wir wollen die stärkere Öffnung der Weltmärkte und sind gegen den Irak-Krieg und Heuschrecken-Investoren, die es ja auch bei uns gibt. Auch die scheinheilige Klimapolitik der G8 muss aufhören.

Das alles konnten Sie und andere friedlich vorbringen, wieso eskalierte die Lage dann?
Wir waren selbst nicht in der Nähe des schwarzen Blocks. Womöglich fühlten sich einige von denen durch die Polizeipräsenz provoziert. Es gibt aber auch einige, die wollen wirklich nur den Krawall.

Manche sagen, die Polizei hat sich zu lange zurückgehalten...
Ich selbst bin in drei Stunden viermal kontrolliert worden. Das nervte. Umso unerklärlicher ist es mir, dass der schwarze Block auch mit Molotow-Coctails gegen die Polizei vorgehen konnte.

Waren Sie selbst in Gefahr?
Nein, als die Krawalle begannen, haben wir uns sofort zurückgezogen. Wir wollten mit den Ausschreitungen nichts zu tun haben und bedauern, dass unser friedlicher Protest so in Misskredit gebracht wird. Das ist kontraproduktiv für uns.

Kennen Sie Leute aus der autonomen Szene?
Ich habe schon mal den einen oder anderen bei anderen Veranstaltungen getroffen. Als Block sind sie schwer kontrollierbar, weil ja keine richtigen Organisationsstrukturen dahinter stehen. Ich glaube, einige werden auf alle Fälle versuchen, den Zaun zu überwinden.

Ist der G8-Gipfel überholt?
So wie er abläuft, ja. Da treffen sich die legitim gewählten Regierungschefs, die sich aber vor ihren Völkern mit 100 Millionen Euro abschotten, wenn sie beraten. Das müsste es nicht geben, würde man die friedlichen Protestierer bis 200 Meter vor das Tagungshotel lassen. Wir haben doch ein Recht darauf, dass wir gehört werden, oder nicht?

Gespräch: Frank Oehl

Anmerkung: Die Junge Linke Kamenz spricht sich für jede Art des friedlichen Protestes aus. Auch Straßenblockaden und Versuche den Sicherheitszaun zu erreichen gehören für uns dazu. Gewalt lehnen wir jedoch ab, denn damit würden wir uns auf eine Ebene mit den imperialistischen Gedanken der G8-Staaten begeben. Blockade JA - Gewalt NEIN!

Protest TV

An dieser Stelle einen kleinen Web-Tipp. Wenn euch die Berichterstattung von ARD,ZDF,RTL und Co. zu einseitig erscheint, empfehlen wir euch www.g8-tv.org Demo-Fernsehen von Protestierenden für Protestierenden. Wir meinen dies ist eine gute Abwechslung zum allgemeinen Mainstream TV. Das Onlinefernsehen gibts in englischer Sprache. (Wenn ihr auf das Bild klickt, dann kommt ihr zu unseren Freunden von Indymedia)

Mit freundlicher Unterstützung von www.guck-werkstatt.de

Der Zaun wackelt

Gerätselt wurde viel, jetzt gibt es die ersten Livebilder... Seit dem Mittag versuchen knapp 1000 Demonstranten sich am Sicherheitzaun festzusetzen. Offiziell verboten - berechtigt ist es! Die Demonstranten müssen ein Recht darauf haben so nah wie möglich an das Tagungshotel heranzukommen. Die G8 haben als legal gewählte Regierungen die Pflicht sich dem Protest ihrer Bevölkerung zu stellen. Die Polizei sollte sich weiterhin zurückhalten. Eine Eskalation der Situation kann nicht im Interesse beider Seiten liegen. Wer Wasserwerfer und Schlagstöcke gegen Menschen einsetzt, welche nur friedlich am Zaun um Heiligendamm demonstrieren wollen, der nutzt nicht tolerierebare und inakzeptable Mittel. Die Junge Linke Kamenz begrüßt den Vorstoß der insgesamt aktuell über 10000 Demonstranten rund um das Gelände. Wir hoffen für euch das bestmögliche und werden die Aktivitäten der Polizei kritisch beobachten.

Das BVG hat indes sich gegen den Widerspruch des Sternenmarsches entschieden und damit einen Marsch bis 200m an den Zaun heran untersagt. Wir halten diese Entscheidung für falsch und bedauern die Kurzsichtigkeit des obersten Gerichtes in Deutschland. Dies ist ein klarer Eingriff in die Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Demokratie sieht nach unserem Verständnis anders aus. Diese Entscheidung reiht sich in eine Vielzahl von Fehlgriffen der Bundesregierung ein.
Indes zeichnet sich der erste große Rückschlag für unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel ab. Beim Thema Klimaschutz gibt es auf Drängen der USA wohl einen "Kompromiss". Was dieses Wort bedeutet, wissen wir bereits von allen anderen Gipfeln. Bereits vor dem richtigen Gesprächen haben die G8 wiedereinmal versagt.

14:39Uhr: Mittlerweile verstärkt die Polizei ihre Hundertschaften rund um Heiligendamm. Tausende Demonstranten sitzen friedlich auf den Zufahrtsstraßen und wenden KEINE Gewalt an.


3. Juni 2007

Heiligendamm geht unter

Ja jetzt ist die Großdemonstration in Rostock bereits Geschichte und irgendwie kam alles so wie erwartet. Die Polizei kann nicht zählen, denn sie geht von nur 30.000 TeilnehmerInnen aus. Alleine schon die Zahl der CamperInnen sollte diese Schätzung übertreffen. Auch die Junge Linke Kamenz war vor Ort um sich aktiv einzubringen.(Wir gehen übrigens von 80.000 Teilnehmern aus!) Kritik muss am Vorgehen der Polizei geübt werden. Wer so aggressiv gegen einzelne "Krawallmacher" vorgeht muss damit rechnen Randale zu provozieren. Schon im Vorfeld wurde von der Bundesregierung alles unternommen, die Gipfelgegner als aggressive Chaoten darzustellen. Nicht zuletzt das Nutzen alter DDR Stasi Methoden sorgte für Unwohl bei den Demonstranten. (Anmerkung: Allein ich bin viermal innerhalb weniger Stunden kontrolliert worden,weil ich ja so gefährlich ausgesehen haben muss.) Natürlich verurteilen wir die knapp 1000 Opfer der Ausschreitungen, natürlich sind wir gegen jegliche Art von Gewalt. Aber was jetzt in den Medien betrieben wird ist eine Hetzjagd gegen alle friedlichen DemonstrationsteilnehmerInnen. So ein Bild sollte nicht von Rostock ausgehen. Doch wer Aggressionen sät, wird Aggressionen ernten...