14. Januar 2008

Wir schei** auf die Arbeitsrechte

Viele kennen KiK…dieses freundliche rote T-Shirt Maskottchen, welche zur Mehrwert- steuererhöhung Anfang 2007 mit dem Werbslogan „Wir schei** auf die Mehrwert- steuererhöhung“ geworben hatte. Das mit den Schei** nehmen die Arbeitgeber von KiK scheinbar aber auch bei anderen Bereichen ernst. Das Textil/- und Non-Food Unternehmen hat europaweit etwa 2500 Filialen mit über 20.000 Mitarbeitern. Eine von ihnen nennen wir einfach Sabine N.*, Verkäuferin in einer sächsischen Geschäftstelle des Textil-Discounters. Ihr Lohn? Gigantische 4,65 Euro Brutto die Stunde. „Nach einer Lohnerhöhung zufragen käme einem arbeitstechnischen Selbstmord gleich“, erzählt die Mutter eines zweijährigen Sohnes. Das Unternehmen hält nicht viel von Arbeitnehmerrechten, sozialen Standards und schon gar nichts von Betriebsräten. In Österreich zum Beispiel hat sich die Firma erfolgreich gegen die Einsetzung eines selbigen gewehrt, indem es die Wahlliste nicht anerkannte. Doch auch ansonsten ist Mangel bei KiK an der Tagesordnung. „In unserer Filiale sind meistens nur zwei Mitarbeiterinnen anwesend. Wie will man den an der Kasse sitzen, Ware einräumen und vielleicht noch neue Artikel entgegennehmen.“ Dass der Discounter vor allem billig sein will, zeigt er in seiner aggressiven Werbemaschinerie. Warum der Kunde allerdings Waren zum Spottpreis bekommt, fragt sich kaum einer. „Wir dürfen am Abend sogar noch die Putze spielen und den Laden saubermachen“, erklärt Sabine N.* Beobachtet hat sie daher ein ständiges Kommen und Gehen der Beschäftigten. „Viele haben es nicht lange ausgehalten, sind entweder freiwillig wieder gegangen oder sind, weil sie „lästig“ geworden sind, gefeuert worden.“ KiK macht übrigens einen Umsatz von zirka1,2 Milliarden Euro. Frei nach den Motto: „Was nichts kostet, ist für uns gerade RICHTIG!“ Ausbaden dürfen es die MitarbeiterInnen mit ihren Hungerlöhnen. Im Internet gehen die Anschuldigen von Mitarbeitern sogar noch weiter als die von Sabine N.* Dort wird u.a. davon gesprochen, dass auf die Gesundheit von Schwangeren nicht geachtet wird und diese neun Stunden am Stück ohne Sitzgelegenheit an der Kasse stehen müssen, das Mitarbeiter von den Vorgesetzten eingeschüchtert werden und regelmäßig mit Vorwürfen den Diebstahls konfrontiert werden und sich daher auch Durchsuchungen unterziehen müssen. Die Liste von Vorwürfen gegen den Konzern ließe sich noch endlos fortsetzen. Den Kunden kann man jedenfalls nur raten einen großen Bogen um die nächste KiK Filiale zu machen. Dies fällt natürlich schwer, wenn der Sohnemann eine neue Hose braucht und das Geld schon Mitte des Monats zur Neige geht. „Eigentlich ist dieses System total pervers. Viele Leute kaufen bei uns ein, weil sie sich nichts anderes leisten können. Es ist ein Teufelskreis, welcher sich von allein nicht durchbrechen lässt.“

*Name durch die Redaktion geändert

PS: Übrigens gibt es auch in Kamenz eine Filiale dieses Ausbeuterbetriebes. Mit einem gesetzlichen Mindestlohn von 8,00 Euro könnte man zumindest die schlechte Bezahlung des Textil-Discounters einen Riegel vorschieben.